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Uwe Herrmann
P.Schneider-Schmelzer
Uwe Herrmann
Medienstar & Brautversteher

Christiane Fenske
on 30. November 2017

Uwe Herrmann ist immer in Bewegung. Nur so ist sein Pensum als Designer, TV-Protagonist und Geschäftsmann zu schaffen. Ebenso zackig verkauft der Dresdner Brautkleider. „Ich sehe die Frau und weiß, was sie anziehen muss.“ Damit hat der 54-Jährige es weit gebracht. Seit 2016 kann man ihm in der Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ über die Schulter gucken. Seit Kurzem ist sein erstes Buch „Kleider machen Bräute“ (Eulenspiegel-Verlag, 19,99 Euro) erhältlich.

Herr Herrmann, Hand aufs Herz, hat eine Braut Ihren Laden mal empört verlassen?

Wer mit mir einen Termin macht, weiß, worauf er sich einlässt. Denn meist beraten ja meine Assistentinnen. Ich habe aber nie wahrgenommen, dass eine Kundin meine Ehrlichkeit nicht aushielt. Sicher hat es Kunden gegeben, die ihre Backen zusammengezogen haben, weil sie sich das von einem so bunten Vogel nicht gefallen lassen wollten. Vielleicht sind einige auch gar nicht erst in den Laden gekommen deswegen.

Halten Sie es aus, wenn man Ihnen gegenüber ebenfalls geradeheraus ist?

Ich empfinde mich gar nicht so, ich sage eben, was ich denke. Wir Menschen würden besser miteinander auskommen, wenn wir mehr Klartext redeten. Gleichzeitig müssen wir bereit sein, uns die Hände zu reichen, wenn was danebengeht. Verletze ich jemanden, das kommt vor, habe ich den Arsch in der Hose, den Fehler einzugestehen.

Die Story von Uwe Herrmann

Noch zu Schulzeiten begann der Dresdner eigene Kleidung aufzupeppen. Seine erste Jeans sah aus wie „eine Mischung aus ABBA und Slade“. Darin eingekleidet musste er das Schulgebäude gleich wieder verlassen.

Zum Studium der Geisteswissenschaften ging Herrmann nach Berlin, eine Anstellung in der Mode kam gar nicht infrage. „Das war nicht vorgesehen.“ Zurück in Dresden arbeitete er im Kinder- und Jugendsport.

Sie sehen Kritik also als etwas Positives?

Durch Kritik habe ich mich weiterentwickelt, nicht durch Schwärmerei. Gestern schrieb mir eine Zuschauerin, die meinte, ich sei sensationell, würde aber leider 20- bis 30-mal in der Sendung „äh“ sagen. Die Frau hat das nett geschrieben, und ich bin Gast in ihrer Wohnung. Also arbeite ich daran, das nicht so oft zu sagen. Aber es ist schwierig.

Sind Sie, wie Sie sind, weil Sie ein Ostdeutscher sind?

Sagen wir so, ich kenne wenige Ostdeutsche, die keine gebrochene Biografie haben. Und durch die gebrochenen Biografien, die wir haben, sind wir in bestimmten Bereichen sensibler. In westdeutschen Bundesländern leben viele von der Substanz ihrer Großeltern und Eltern und fühlen sich relativ sicher. Die Substanz ist den meisten Ostdeutschen nicht gegeben. Aber verstehen Sie mich nicht falsch, ich kenne viele Westdeutsche, die ticken wie ich. Ich fühle mich als Europäer mit ostdeutscher Biografie.

Wie erlebten Sie die Wende?

Zum ersten Mal in meinem Leben fühlte ich mich frei. Ich habe beruflich schnell umgedacht. Meine Oma war Kürschnerin. Wir hatten Maschinen, deshalb habe ich angefangen, Pelzmützen zu nähen, die ich auf dem Striezelmarkt verkaufte. Später kamen Jacken dazu. Nachdem ich mich bei einem Züchter umgesehen hatte, der seine Verantwortung für Tiere nicht ernst nahm, habe ich das von heute auf morgen beendet.

Uwe Herrmann
SI

Neuanfänge scheinen Sie nicht aus der Bahn zu werfen.

Es musste weitergehen, ich hatte die Verantwortung für vier Schneiderinnen. Mir war immer klar, dass man auch Geld verdienen muss. Ich bin dann mit einem Transporter zum Otto-Versand gefahren, der ein Lager für Kleider zweiter Wahl führte. Dort habe ich Brautkleider aufgekauft und sie zu Hause leicht umgearbeitet. Das war der Renner. Bald dachte ich, das kann ich selbst. Seitdem entwerfe und produziere ich eigene Kleider.

Diese Arbeit führt Sie oft nach China und Thailand, Sie verhandeln dort mit Menschen, die einen ganz anderen kulturellen Hintergrund haben.

Chinesen denken immer günstig, ich denke immer schön. Auch wenn ich anfangs mal Lehrgeld zahlen musste, funktioniert es gut. Ich bin allein in diesen großen Ländern unterwegs, fliege von Stadt zu Stadt. Ich habe zwar eine Dolmetscherin, die ziehe ich aber nur hinzu, wenn es um den eigentlichen Geschäftsabschluss geht. Sonst verständige ich mich mit dem Google-Translator.

In Dresden kennt man Sie als Inhaber ihres Braut- und Festmodengeschäfts schon lange, seit knapp zwei Jahren sind Sie nun auf Vox zu sehen. Wie geht es Ihnen mit Ihrer Prominenz?

Prominent bin ich ja gar nicht. Prominent ist für mich jemand, der einer herausragenden Tätigkeit nachgeht. Die Kundin etwa, die in der Krebsforschung tätig ist. Ich bin im Fernsehen einfach so, wie ich bin. Es gibt genug Leute, die glauben, nur weil sie im Fernsehen sind, seien sie etwas Besonderes.

Christiane Fenske
on 30. November 2017

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