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Susi Groth Mami Kolumne
A.Jungnickel/SUPERillu
Die Mami-Kolumne
„Ich steh auf Windeltüten mit Duftessenz“

Seit sie Kinder hat, quillt bei Susi Groth* die Restmülltüte über. Stolz ist sie darauf nicht

Susi Groth
on 1. November 2017

Jeden zweiten Sonntagabend haben mein Großer und ich ein Ritual: Wir ziehen unsere schwarze Mülltonne vor zur Straße. Denn jeden ungeraden Montag im Monat kommt die Müllabfuhr und holt in unserem Viertel den Restmüll ab. Viel haben die Kollegen der Abfallentsorgung in unserer Straße nicht zu tun, denn wir sind beinahe die einzige Familie, die ihre schwarze Tonne wirklich IMMER herausstellt. Bei unseren Nachbarn habe ich das Gefühl, die produzieren gar keinen Restmüll, denn ihre Tonnen werden gefühlt einmal im Jahr rausgestellt. Der größte Unterschied zwischen ihnen und uns ist jedoch: Wir haben zwei Windelträger – und sie nicht.

 

Unsere Restmülltonne ist deshalb zu 98,9 Prozent mit blauen Dufttüten voller Stinkewindeln gefüllt. Ich steh auf diese Windeltüten mit Duftessenz. Seit ich Mama bin, bin ich sowieso Fan von allem, was duftet und nicht nach Kacka stinkt. Das rieche ich oft genug. Und weil ich im Kinderzimmer meiner Jungs keinen Windeleimer herumstehen haben möchte (Erstens vermeide ich so, dass mein Kurzer den Eimer entleert und die Windeln nach Farbschattierungen sortiert.

 

Und zweitens: Waren Sie schon mal in einem Raum, wo ein gefüllter Windeleimer rumsteht…? Genau. Dann wissen Sie, was ich meine!), packe ich die Windeln eben in Duftetütchen und werf sie in die Mülltonne vor der Tür. Zumindest so lange, bis die Tüten oben wieder herausquellen. Das ist meist nach elf Tagen der Fall. Leider bleiben dann noch drei Tage bis zur nächsten Leerung. Da hilft immer nur eins: kräftig drücken. Und hoffen, dass keine Tüte platzt…

 

Mir ist bewusst, dass wir, seitdem wir Kinder haben, Unmengen an Plastikmüll produzieren. Stolz bin ich nicht darauf. Aber auf Stoffwindeln umsteigen mag ich deshalb nicht. Da bin ich durch Pampers & Co. doch zu sehr verwöhnt worden. (An dieser Stelle eine tiefe Verbeugung an all die Muttis von früher, die nur Stoffwindeln zur Verfügung hatten!) Kürzlich habe ich mal gegoogelt, wie viele Windeln ein Kind verbraucht, bis es „stubenrein“ ist. Die Zahl hat mich umgehauen: Im Schnitt sind es 6000!

 

Aber wir sind guter Hoffnung, dass wir schon bald nur noch einen Windelträger unter uns haben und sich die Menge der blauen Tüten damit deutlich verringert. Zumindest trainiert unser Großer schon fleißig. Immer häufiger ruft er jetzt „Lette!“, rennt zum Klo, legt seine gelbe Kinderklobrille auf den Toilettensitz, klettert hoch, und dann geht’s los. Wie ein König auf seinem Thron hockt er dann auf seiner „Lette“ und ruft stolz: „Mama, guck mal! Lulu!“ Mama freut sich na- türlich mit. Auch wenn dabei mehr Lulu über den Brillen- rand schwappt als ins Klo.

 

* Journalistin Susanne Groth, 39, lebt mit ihrem Lebensgefährten und zwei Söhnen (2 Jahre und 9 Monate) in Jena. Von 2005 bis 2012 war sie Redakteurin bei SUPERillu.

Susi Groth
on 1. November 2017

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