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Susanne Bormann
dpa
TV-Star Susanne Bormann
"Im Osten war es nicht so extrem"

Die Schauspielerin über Mobbing, Wohlfühlwampe und Schönheitsideale im Westen

Jana Schellschmidt
on 3. November 2017

„Ihh, das ist ja eklig... und: „Das kann man sich ja nicht anschauen. Sätze, die sich tief in Susanne Bormann eingebrannt haben. Die Schauspielerin, gestern Abend als blonde Polizistin Frauke Schäfer im „Tatort: Der Fall Holdt (20.15 Uhr, das Erste) neben Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) zu sehen, hat als Kind Einiges einstecken müssen. Obwohl sie zu den attraktivsten Darstellerinnen des Landes gehört, wurde sie in der Schulzeit wegen ihres Aussehens gehänselt.

 

„Das waren Gemeinheiten wieIhh, deine Beine sind viel zu dünn, das ist ja eklig’“, so Susanne Bormann zu BUNTE. Unbedachte Worte, die aber Spuren hinterließen.Ich hatte ganz lange Komplexe wegen meinen Beinen, dachte immer, die seien viel zu dünn. Bis Leute dann anfingen zu sagen: Du hast aber schöne Beine! Im Nachhinein habe ich dann verstanden, dass ich damals als Kind nur gehänselt wurde, weil die anderen neidisch auf mich waren.“

 

Doch bis dahin war es ein weiter Weg. „Manchmal braucht man vielleicht sogar einen Partner, der einem dann erklärt, dass das alles Quatsch ist, warum man sich einst so viele Gedanken gemacht hat. Kinder oder sogar Kollegen können da ganz schön brutal sein.“ Zumal es weitere Verletzungen gab. „Dann hatte ich noch eine Verbrennungsnarbe, für die ich dann Sätze hören musste wie ‚Da kann ich ja nicht hingucken’“, erzählt Susanne Bormann. „Kinder können sehr grausam sein.

Tatort, Susanne Bormann, Maria Furtwängler, Der Fall Holdt
dpa

Susanne Bormann (rechts) als junge Polizistin Frauke Schäfer, die zusammen mit LKA-Kommissarin Charlotte LIndholm (Maria Furtwängler) ermittelt

Heute ist es nicht viel anders: Trotz Modelmaße wurde der Mutter einer zweijährigen Tochter schon eine Fettabsaugung nahegelegt. Von einer Designerin, die ihr ein am Bauch zu enges Kleid geschneidert hatte. „Irre, oder? Ich meine, wenn das bei mir schon anfängt, wo hört das auf?“ Ihre Reaktion: „In unserer Familie hat keiner einen Waschbrettbauch, sondern eher eine kleine Wohlfühlwampe. Ich war baff und habe etwas anderes angezogen.“

 

Überhaupt dieser Schönheitswahn. Kollegen, die sich mit Botox jung spritzen wollen. Susanne Bormann fragt sich, warum es diese, wie sie sagt, kruden Schönheitsideale in der Gesellschaft überhaupt gibt. Und ob es früher im Osten nicht anders war. „In der ehemaligen DDR kann ich mich nicht erinnern, dass das so extrem war“, glaubt die Schauspielerin, die in Kleinmachnow aufgewachsen ist.  „Aber man darf auch nie vergessen, dass da eine große Wirtschaftsindustrie dahinter steht, die damit Geld verdienen will und einem ständig suggeriert, dass man etwas an sich machen muss.“ Sie wird sich dem Diktat jedenfalls nicht beugen.

 

 

Den "Tatort" verpasst? Bis 25. November können Sie "Der Fall Holdt" noch hier in der ARD Mediathek sehen

Jana Schellschmidt
on 3. November 2017

Das passt dazu...