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Sonja Jost
N.Kuzmanic/SUPERillu
Sonja Jost
Nachhaltige Chemie

Sonja Jost, Chefin des Start-ups DexLeChem, hat ein Verfahren entwickelt, das den Erdöl bei der Medikamentenherstellung überflüssig macht 

Thilo Boss
on 6. Oktober 2017

Sonja Jost, 37, will die chemische Produktion revolutionieren. Das ist ein großer Traum – aber mit Realitätssinn. Denn die Geschäftsführerin des Berliner Start-ups DexLeChem erhielt bereits einen Award, der 25 Frauen verliehen wird, die die Welt verändern. Die Ingenieurin hat ein Verfahren entwickelt, mit dem unter anderem Medikamente in Wasser produziert werden. Das ist ein wesentlicher Schritt, der mit das Ende des Erdölzeitalters einläuten kann.

Frau Jost, Sie kämpfen für eine grüne, eine nachhaltige Chemie. Wie verstehen Sie sich? Als Pionierin oder als Idealistin?

Ich verstehe mich als Unternehmerin, die vor allem von Effizienz getrieben ist. Wer etwas verbessern kann, sollte das auch tun. Das von mir entwickelte Produktionsverfahren basiert auf Wasser statt auf Erdöl. Damit ist es umweltschonender als herkömmliche Verfahren und zudem noch bis zu 30 Prozent kostengünstiger, weil wir teure Substanzen in der Produktion erstmalig wiederverwenden können. Das wollen wir jetzt in einer eigenen Chemiefabrik umsetzen. Insofern fühle ich mich auch als Start-up-Pionierin auf diesem Gebiet.

Legen Sie einen wichtigen Mosaikstein, der das postfossile Zeitalter einläutet?

Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass die erdölbasierte Chemie in der Geschichte der Branche rückblickend nur eine kleine zeitliche Sequenz sein wird. Ihr Ende zeichnet sich schon deshalb ab, weil mit Blick auf die Umwelt und das Klima eine nachhaltige, langfristig regional organisierte Kreislaufwirtschaft eine immer größere Rolle spielen wird. Dies beschleunigt den Transformationsprozess, und DexLeChem kann dazu einen Beitrag leisten.

Nachhaltigkeit, Umweltbewusstsein und Klima sind Trendthemen. Die Investoren müssten bei Ihnen inzwischen Schlange stehen. Oder?

Sagen wir mal so: Wir stehen in guten Gesprächen. Aber für deutsche Chemie-Start-ups ist es viel schwerer, Finanzinvestoren zu finden, als für Firmengründer aus dem digitalen Sektor. Denn es gibt keine Kapitalgeber, die auf Chemie spezialisiert sind. Andere erwarten, dass schon in kurzer Zeit Einlagen mit einem hohen Multiple zurückfließen. Wir haben durch unsere Innovationen zwar sehr gute Renditeperspektiven, aber in unserer Branche dauert es eben länger, bis man den Break-even erreicht. Das schreckt Investoren ab, die die Marktmechanismen nicht kennen.

Sonja Joost Thilo Boss
N.Kuzmanic/SUPERillu

DexLeChem-Chefin Sonja Jost im Gesprcäh mit SUPERillu Wirtschaftsressortleiter Thilo Boss

Das hört sich so an, als ob Sie Ihren Traum von einer eigenen Chemiefabrik schon ausgeträumt haben …

Nein, im Gegenteil. In den ersten eineinhalb Jahren hatte DexLeChem keinen Auftrag. Jetzt leben wir von unseren Umsätzen. Das ist außerordentlich schnell in der Branche. Die wasserbasierte Katalyse gewinnt zunehmend an Bedeutung. Große Pharmakonzerne wie Weltmarktführer Novartis haben das Verfahren inzwischen entdeckt. Damit wird durch unser Patent auch DexLeChem interessanter.

Dann mal Hand aufs Herz, wann bauen Sie nun Ihre Fabrik?

Unser Ziel ist es, spätestens Ende 2018 in die Produktion einzusteigen. Dafür brauchen wir aber noch einen zusätzlichen Investor. Eine Fabrik auf der grünen Wiese kostet etwa 20 Mio. Euro. Für ein Start-up-Unternehmen ist das eine Menge Geld. Deshalb haben wir vor, eine Anlage zu mieten, und handeln derzeit Konditionen aus, sodass der Kapitalbedarf signifikant geringer sein wird.

Könnten da nicht die landeseigenen Förderbanken helfen? Sachsen-Anhalt, aber auch Sachsen mit ihren Chemieclustern müssten doch Interesse zeigen.

Wir stehen in Gesprächen. Viel mehr kann ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen.

Wird DexLeChem Berlin als Standort aufgeben?

Wir werden mit unserer Forschung und Entwicklung auf jeden Fall in Berlin bleiben. Hier ist der Exzellenzcluster für Katalyse, mit dem Spitzenforschung erst möglich wird. Und dies wiederum ist Voraussetzung dafür, dass wir Spitzenkräfte für unser Unternehmen finden. Die Produktion dagegen werden wir mit aller Wahrscheinlichkeit in einem anderen Bundesland aufbauen.

Das heißt, dass der Hauptsitz des Unternehmens …

… dann an den Produktionsstandort verlagert wird.

Thilo Boss
on 6. Oktober 2017

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