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Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz
Picture-Factory - Fotolia
Am Arbeitsplatz
Wurden Sie schon sexuell belästigt?

Immer mehr Frauen geben zu, Opfer von sexueller Belästigung zu sein. Hier finden sie Hilfe

Jana Schellschmidt
on 27. Oktober 2017

Ein tiefer Blick, ein zweideutiger Scherz in der Mail, und gestern rutschte im Meeting seine Hand aufs Knie. Eine Erfahrung, die viele Frauen am Arbeitsplatz machen. Dazu braucht man nicht nach Hollywood oder ins deutsche Showbiz zu schauen, einer Branche, die laut TV-Moderatorin und SUPERillu-Kolumnistin Andrea Kiewel nun mal "etwas frecher" ist. Hier wie dort lächeln Frauen den Vorfall oft weg, schweigen, aus Angst oder Scham. Und weil wir oft unsicher sind: War das wirklich so gemeint? Stelle ich mich an? Oder: Bin ich vielleicht sogar selbst Schuld, wenn ich eine tiefausgeschnittene Bluse trage?

 

Tatsächlich sind die Grenzen zur sexuellen Belästigung fließend. Entscheidend ist das Empfinden des Opfers. Rechtlich ist die Sachlage klar: Nach dem Antidiskriminierungsgesetz fallen darunter alle unerwünschten Annäherungen, die sexueller Natur sind und sich an eine bestimmte Person richten. Dazu gehören aufdringliche, unangenehme Blicke, unerwünschte Mails mit sexuellen Inhalten, das Zeigen von Bildern mit pornographischem Inhalt. Und natürlich die Androhung beruflicher Nachteile bei sexueller Verweigerung, das Versprechen von Vorteilen bei sexuellem Entgegenkommen bis hin zur Vergewaltigung. Was viele nicht wissen: Der Arbeitgeber ist gesetzlich dazu verpflichtet, Mitarbeiter vor sexueller Belästigung durch Kollegen zu schützen.

 

Doch wie gehen Opfer am besten vor? Halten Sie als erstes Rücksprache mit speziell geschulten Beratungsstellen*. Sie können wertvolle Tipps für das weitere Vorgehen geben – und im Zweifel die Situation besser einschätzen. Danach hilft es oft, dem Belästiger anzukündigen, dass man sich beschweren wird, sollte er nicht sofort damit aufhören (Wer bei dem Gedanken daran schon Bauchschmerzen bekommt, sollte das natürlich lassen. Dazu verpflichtet sind die Opfer nämlich nicht). In größeren Unternehmen lohnt sich der Gang zum Betriebsrat. Auch ein Rechtsbeistand empfiehlt sich: Gegen sexuelle Belästigung können sich Betroffene sowohl arbeits- als auch strafrechtlich wehren.

 

Einzelne Kollegen ins Vertrauen zu ziehen, kann ebenfalls sinnvoll sein: Vielleicht ist der Kollegin schon Ähnliches passiert? Außerdem brauchen Sie, je nach Fall, Zeugen. Damit der Arbeitgeber einschreitet, muss der Vorwurf plausibel und belegt sein. Sonst steht Aussage gegen Aussage. Auch hier gilt: Lassen Sie sich hinsichtlich der Beweise von den entsprechenden Anlaufstellen* beraten. Heimliche Tonaufnahmen sind zum Beispiel nicht erlaubt und werden vor Gericht nicht zugelassen.

 

*Hier finden Opfer von sexueller Belästigung Anlaufstellen und Hilfsangebote:

 

Das Opfer-Telefon des Weißen Rings erreichen Sie ohne Vorwahl unter der Telefonnummer 116006

Das bundesweite Hilfe „Gewalt gegen Frauen“ des Bundesamtes für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben bietet unter der Telefonnummer 08000 116016 rund um die Uhr kostenfreie Hilfe in 15 Sprachen an

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes berät unter der Telefonnummer 030 18555-1865 kostenlos über Ihre Rechte und Ansprüche und vermittelt Sie an geeignete Beratungsstellen weiter. Montag bis Freitag von 9-12 sowie 13-15 Uhr

Jana Schellschmidt
on 27. Oktober 2017

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