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Verschwundene Orte der DDR Halle
Bild und Heimat
Neuer Bildband
Verschwundene Orte der DDR

Patrick Ziob
on 7. Dezember 2017

128 Seiten Erinnerung. Der Berliner Verlag „Bild und Heimat” hat ca. 100 Fotos von Orten zusammengestellt, die einst markante Plätze und Gebäude waren, es aber heute nicht mehr gibt. In den sehr informativen Bildunterschriften – die wir auch für die Fotoauswahl in der Bildergalerie genutzt haben – erklärt die in Bald Salzungen, Südthüringen, aufgewachsene Autorin Daniela Grosch die Geschichte der einzelnen Fotos.

Aus dem Vorwort des Bildbandes:

„Am 9. November 1989 um 18.53 Uhr verkündet das SED-Politbüromitglied Günter Schabowski die Öffnung der innerdeutschen Grenze. Noch in derselben Nacht wachsen die Menschenmassen an den landesweiten Grenzübergängen. Die Wachposten öffnen den Schlagbaum. Die Bürger der DDR dürfen ungehindert ins westdeutsche Ausland reisen.

Ab dann geht alles sehr schnell. Binnen eines Jahres bricht das Staatsgefüge der DDR auseinander und im darauffolgenden Jahrzehnt all das, was der sozialistischen Idee den Rahmen gegeben hat. Zuerst fällt das Sinnbild der deutschen Teilung. Bruchstücke der Berliner Mauer ziehen in Museen und Galerien. Kilometerlange Akten, die die systematische Überwachung der DDR-Bürger bezeugen, landen zur Auswertung im Archiv, und die Bürogebäude des MfS, wie in Cottbus oder Dresden, werden abgerissen.

Mit den Orten der Repression verschwindet die Angst. Die entstehenden Freiräume besetzen die Bürger der ehemaligen sozialistischen Republik, wie zum Beispiel die Anwohner Wittstocks, die per Gerichtsentscheid die Stilllegung des militärisch genutzten Truppenübungsplatzes erwirken.

Dass Freiheit Grenzen hat, stellen die ostdeutschen Werktätigen fest. Durch die Privatisierung der Volkseigenen Betriebe verlieren Zehntausende ihre Arbeit. Schmiergeldaffären wie die Abwicklung der Leuna-Werke mit Begünstigung des franz.sischen Konzerns Elf Aquitaine begleiten die Vorgehensweise der umstrittenen Treuhandanstalt. Mit den Betrieben verschwinden die Menschen.

Auf der Suche nach Arbeit verlassen die Ostdeutschen die Heimat. Die in DDR-Zeiten beliebten Plattenbausiedlungen verkommen in einigen Gebieten wie in Hoyerswerda, Magdeburg oder Suhl zu Geisterstädten. Treffpunkte der Gemeinschaft – wie Konsum-Verkaufsstelle, Kulturhaus oder Kino – reißen Bagger nieder. Diese Orte missen die Menschen schmerzlich. An sie sind Erinnerungen, das Gefühl der Geborgenheit und Lebensglück geknüpft.

Hier können Sie den Bildband online bestellen

Im dritten Jahrzehnt der Einheit Deutschlands spüren die Ostdeutschen das Für und Wider ihrer Geschichte. Stolz blicken sie auf die Montagsdemonstrationen, durch die die .Bonzen. in Wandlitz aus ihrer Insel des Wohlstands getrieben wurden. Die friedliche Revolution siegte über das Unrecht der DDR und trug entscheidend zur deutschen Wiedervereinigung bei.

Der Verlust des Arbeitsplatzes und die Schwierigkeit, in der neuen Wirtschaftsordnung Fuß zu fassen, haben viele den Sieg als persönliche Niederlage erfahren lassen. Die verschwundenen Orte zeigen nicht nur brachliegende Landschaften, sondern auch die Vision der Neugestaltung einer gesamtdeutschen Lebenswirklichkeit, auch wenn manches unwiederbringlich verloren scheint.”

Patrick Ziob
on 7. Dezember 2017

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