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Martina Detlef Thiele Forellenhof Südharz
A.Jungnickel/SUPERillu
Martina und Detlef Thiele
Frische Forellen für Fischliebhaber

Sie erwarben einst einen volkseigenen Betrieb. Heute führen die Thieles im Südharz einen Forellenhof, der für Gourmets die erste Adresse ist

Michael Schelenz
on 6. Dezember 2017

Der österreichische Komponist Franz Schubert hat der Forelle ein berühmtes Lied gewidmet. In Strophe eins heißt es da: „In einem Bächlein helle, da sprang in froher Eil, die launische Forelle, vorüber wie ein Pfeil.“ Schnell sind die Fische in der Tat, das menschliche Auge kann den Bewegungen im Wasser kaum folgen. Im hellen Bächlein, das Schubert zitiert, tummeln sich die Forellen von Martina, 63, und Detlef Thiele, 64, allerdings nicht. Sie wachsen in einer großen Halle auf, in der riesige Betonwannen stehen.

Die Südharzer Forellenzucht GbR wurde vor 25 Jahren aus dem VEB Binnenfischerei Halle heraus gegründet. Detlef Thiele, der aus der Lausitz stammt und in der DDR Ingenieur für Binnenfischerei studiert hat, ist von Anfang an dabei. Heute betreibt er den Forellenhof im sachsen-anhaltinischen Wickerode zusammen mit Ehefrau Martina, einem „Kind“ der Ostsee vom Darß.

„Unser Wasser kommt aus den Quellen des Südharzes“, erklärt der Züchter, „der ständige Kreislauf lässt die Forellen so prächtig gedeihen.“ Kaum aus dem Ei geschlüpft, kommen die winzigen Fischbabys aus einer Art Brutglocke in den Zuber: „So ein Schwarm besteht aus bis zu 20000 Fischen.“ Die Forellen wachsen schnell, alle paar Monate wandern sie in die nächste Wanne. Mit knapp zwei Jahren und etwa 300 Gramm Gewicht kommen die ersten auf den Teller.

Der Forellenhof Thiele hat viele Stammkunden: Gastronomen aus der Region und vor allem am Freitag auch Privatleute. Matthias Wesemann, Chef von Wesemanns Fischerstübchen in Sangerhausen-Wippra, holt sich gern frischen Fisch bei Tina Thiele: „Hier bekomme ich die besten Forellen weit und breit“, sagt er. „Die Gäste in unserem Lokal bevorzugen Forelle nach Müllerin Art, also mit Salz und Pfeffer gewürzt, leicht gemehlt und drei bis vier Minuten in Butter gebraten.“

Anders als der Karpfen, der nur in Monaten mit dem Buchstaben R, also von Oktober bis April, gegessen wird, kann man sich die Forelle das ganze Jahr über munden lassen. Bachforelle, Regenbogenforelle und der Saibling gehören zur Familie der Lachsfische. Die Zucht in der dunklen Halle gefällt Naturfreunden nicht unbedingt.

Für die Fische bedeutet sie aber immerhin ein sicheres Leben und Schutz vor gefräßigen Räubern. Detlef Thiele sagt: „Der Kormoran ist für Fische in Teichen und Bächen hier im Harz eine große Gefahr.“

Auch auf Wochenmärkten der Umgebung bieten die Thieles ihre Ware an, fahren mit dem Fischmobil durch die Gegend. An besonderen Tagen kocht Tina auf dem Hof auch selbst: „Wir veranstalten jedes Jahr ein Fischerfest. Und an Feiertagen wie Christi Himmelfahrt, wenn die Männer wandern gehen, bekommen sie bei uns etwas zu essen.“ Dann stehen Holztische im Freien, und der Forellenhof ist ein lauschiger Ort zum Verweilen.

Um die zehn Tonnen Forellen gehen im Jahr über den Ladentisch. Der Harzer Züchter: „Fisch wird immer beliebter. In der Fleischbranche zum Beispiel gibt es regelmäßig Skandale um die Qualität. Unsere Ware ist immer frisch, und die Forellen werden von Geburt an gesund gefüttert. Davon überzeugt sich auch die Tierärztin des Landkreises regelmäßig, sie kommt oft auf unseren Forellenhof.“

Seit 1992 betreibt das Ehepaar nun sein Geschäft. Aber erst vor wenigen Jahren wurden die Eigentumsverhältnisse mit einigen Vorbesitzern endgültig geklärt. „Dabei ging es nicht um die Halle und Gebäude auf dem Hof, sondern um den Bodenbesitz. Letztlich haben wir uns mit den Anwälten der Leute, die Ansprüche angemeldet hatten, geeinigt.“

Thieles werden also bleiben und den Südharz mit ihren fangfrischen Forellen versorgen. Wenn man so lange tagtäglich mit Fischen zu tun hat, schmecken die einem dann überhaupt noch? Detlef Thiele: „Es gibt kaum etwas Besseres als das magere Fleisch der Forelle. Zwei- bis dreimal in der Woche ist Fisch für mich auf dem Mittagstisch einfach Pflicht.“

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on 6. Dezember 2017

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